Alternative Möglichkeiten für die Energiepolitik: Argumente by Wolfgang Lienemann

By Wolfgang Lienemann

Seit der Debatte iiber die Wiederbewaffnung in der Bundesrepublik Deutschland und den Auseinandersetzungen iiber die Notstandsgesetze hat es in diesem Lande kein Thema gegeben, iiber das so erbittert gestritten worden ist und weiter gestritten wird wie iiber das challenge der langfristigen Energieversorgung. Der Dissens iiber die Rolle, die der Kernenergie in diesem Zusammenhang zukommt, geht quer durch alle Parteien und gesellschaftlichen Gruppen. Er hat auch die Wissenschaften nicht unangetastet ge lassen. Sie haben nicht verhindern k6nnen, daG beide Seiten unter oft bedenkenloser Verwendung wissenschaftlicher Argumente ihre jeweiligen Positionen vertreten; denn Befiirworter wie Gegner der Kernenergie finden sich heute in jeder Fachwissenschaft. Das gilt selbst fUr die Naturwissenschaften. Friiher als andere gesellschaftliche Gruppen sind die Kirchen, ob sie es nun wollten oder nicht, in diese Auseinandersetzung hinein gezogen worden. Viele Gemeindemitglieder und auch pfarrer haben sich auf die Seite von Biirgerinitiativen gestellt, die sich gegen den Bau weiterer Kernkraftwerke wenden. In dieser scenario, die gepr?gt warfare von einer kaum zu iiberbriickenden Polarisierung der Gesellschaft, wachsendem Zweifel an der Unabh?ngigkeit wissenschaftlichen Sach verstandes und einem unausweichlich gewordenen politischen Entscheidungsdruck wandte sich Ende 1975 die Evangelische Landeskirche in Baden an die Forschungs st?tte der Evangelischen Studiengemeinschaft (F.E.St.) mit der Bitte um ein wissen schaftliches Gutachten zur Energieproblematik. Entsprechend der satzungsgem?Gen Aufgabe des Instituts haben daraufhin Vorstand, wissenschaftliches Kuratorium und Kollegium der FEST gemeinsam beschlossen, dieser Anfrage zu entsprechen und ein Projekt durchzufUhren, das die wissenschaftlichen Grundlagen fiir ein solches Gutach ten erarbeiten sollte."

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Demgegeniiber bemiiht sich die Industrie seit J ahren um sparsameren Energieverbrauch. Trotz dieser Anstrengungen in zahlreichen Branchen der Industrie stieg aber der Gesamt-Energieverbrauch bisher ungefăhr proportional zum Wirtschaftswachstum. Verbraucher, die betriebswirtschaftlich kalkulieren, haben also schon in der Vergangenheit in einem gewissen Umfang Energie rationell eingesetzt. Die dadurch erzielten Einsparungen wurden jedoch durch Energieverschwendung anderer Verbraucher wieder aufgehoben.

Die Entschiedenheit, mit der die amerikanische Regierung im Zusammenhang der Diskussion um den Brasilienvertrag zu verhindern sucht, dag immer mehr Staaten in den Besitz kompletter kerntechnischer Anlagen gelangen, resultiert aus der Sorge, dag lokale Atomkriege und Atomkriegsdrohungen sowie Aktionen nationaler wie internationaler Terroristen sonst nicht mehr ausgeschlossen werden kănnen. (78) Die Befiirworter der Kernenergie weisen gerne darauf hin, dag deren forcierter Ausbau in den Industrielăndern die einzige Măglichkeit sei, Wirtschaftswachstum zu fărdern und damit jene Mittel zu erwirtschaften, mit denen man die permanenten Hungerkatastrophen in den Lăndern der Dritten und Vierten Welt mildern kănne.

Ein allgemeiner Anstieg der Umweltbelastungen ist kaum vermeidbar und niemand weii1, welche Schădigungen die Natur und damit die Menschheit noch vertragen k6nnen. (3) Aber diese Aporien werden noch verschărft durch die lange Zeit weitgehend ignorierten innen- und auBenpolitischen Probleme, die besonders mit dem forcierten Ausbau der Kernenergie verbunden sind. Die Bereitschaft eines groBen Teils der Biirger dieses Staates, die Energieplanungen und ihre Folgen hinzunehmen, ist erschiittert. Parlamente und Parteien haben darauf lange Zeit keine Riicksicht genommen.

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